Beschreibung
Spiritualität ist für viele Menschen in unserer Gesellschaft ein wichtiger Bereich ihres Lebens. In den letzten Jahrzehnten haben sich professionell Helfende zunehmend für die spirituellen Nöte ihrer PatientInnen geöffnet. Demgegenüber tun sich die akademische Psychologie, wissenschaftlich fundierte Psychotherapie und Psychiatrie seit jeher schwer mit spirituellen Themen, insbesondere mit spirituellen Erfahrungen. Der Grund hierfür liegt im materialistischen Menschenbild der heutigen Wissenschaft. Die Fachdiskussionen bezüglich Spiritualität sind demzufolge äußerst kontrovers und emotionsgeladen. Letztlich geht es aber um das Wohl der PatientInnen. Es wird argumentiert, dass Psychotherapie kein weltanschaulich neutrales Heilverfahren ist. Tatsächlich haben Menschenbilder einen erheblichen Einfluss auf das Gelingen einer Psychotherapie, wie empirische Studien belegen. In diesem Buch wird detailliert dargelegt, wie implizite philosophische Grundannahmen über den Menschen die Psychotherapie beeinflussen können, und welche Auswirkungen dies sowohl auf die psychotherapeutische Praxis als auch auf die PatientInnen hat. Für PsychotherapeutInnen werden Übungen angeboten, die die Selbstwahrnehmung im Umgang mit ihren PatientInnen fördert. Erfahrungsberichte und Fallvorstellungen vertiefen die Thematik. Das Buch präsentiert aber nicht nur minuziöse Analysen von Missständen, sondern zeigt auch Lösungswege auf, nämlich weg von einer Humanwissenschaft, die sich vor gesellschaftlichen Einflüssen abschottet, und hin zu einer Humanwissenschaft, die sich den Bedürfnissen der Gesellschaft öffnet. Auf philosophischer Ebene bedeutet dies: weg von einem Naturalismus, der auf einer materialistischen Leitideologie basiert, und hin zu einem balancierten pragmatischen Naturalismus, der die Wirklichkeit des Geistigen und des Materiellen prinzipiell als gleichwichtig und gleichwertig betrachtetet.


