Beschreibung
Karol Szymanowski (1882–1937) zählt zu den bedeutendsten Komponisten Polens im 20. Jahrhundert. Sein Liedschaffen umfasst 143 zwischen 1898 und 1932 entstandene Werke, die in Zyklen, Sammlungen und Einzellieder gegliedert sind. Ziel dieses Buches ist es, die Lieder auf der Grundlage aktueller Forschung sowie bislang wenig erschlossener Quellen musik-, literatur- und kulturwissenschaftlich neu zu erschließen. Szymanowskis Liedschaffen lässt sich in drei Phasen gliedern, die von künstlerischen Vorbildern sowie persönlichen und historischen Einflüssen geprägt sind. Sie spiegeln seine Suche nach Identität zwischen europäischer Tradition, orientalischen Impulsen und nationaler Eigenprägung wider und lassen zwei ästhetische Linien erkennen: eine im 19. Jahrhundert verwurzelte sowie eine von französischen und russischen Strömungen um 1900 beeinflusste. In der Phase orientalischer Inspirationen (1911–1918) entwickelte der Komponist eine Harmonik jenseits des Dur-Moll-Systems mit klanglich verdichteten Ausdrucksformen. Nach 1918 führte die Wiedererlangung der polnischen Unabhängigkeit zu einer Neuorientierung und zur bewussten Synthese von Moderne und polnischer Tradition.

