Beschreibung
Was ist ein ›Mythos‹? Gibt es in unserer Zeit ›neue Mythen‹? Was kann man unter ›mythischem Denken‹ verstehen? Die hier in einer Neuauflage vorliegende Untersuchung (erstmals 2007) beschäftigt sich auf grundsätzliche und interdisziplinär ausgerichtete Weise mit kulturgeschichtlichen Phänomenen, die seit über 100 Jahren Wissenschaften, Künste, Politik und Gesellschaft bewegen und bis heute noch nicht in allen Bedeutungsdimensionen erkannt worden sind. Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Frage nach dem kulturgeschichtlichen Ort der Entwicklung mythischer Denkformen. Gibt es eine ›Gegenwärtigkeit des Mythos‹ in modernen Gesellschaften? Können Formen des mythischen Denkens die Aufklärung überlebt haben? Kann man moderne Literatur als historische Quelle dafür lesen? Anhand theoretischer Konzepte aus der kognitiven Psychologie, der Anthropologie, der Ethnologie und der Soziologie sowie narratologischen Modellen werden beispielhaft literarische Texte von Kafka, K. May, H. H. Jahnn, M. Frisch, P. Handke u. a. auf in ihnen erkennbare Spuren mythischer Denkweisen befragt. Literatur erweist sich dabei faszinierenderweise als ein Ort des verdeckten Weiterwirkens archaischer Denkformen in der modernen Zivilisation.

