Beschreibung
Die Substanz ist »als Subjekt aufzufassen und auszudrücken«. Dieses berühmte Diktum wird oft unter Berufung auf die Spinoza-Kritik in den Berliner Vorlesungen kurzerhand so missverstanden, dass die spinozanische Substanzlehre für Hegel einen »Akosmismus« darstelle, demzufolge die Endlichkeit überhaupt aus der Einen Substanz ausgeschlossen sei. Ziel dieser Untersuchung ist es, dieses Missverständnis im Hinblick auf Hegels Jenaer Schriften und Manuskripte zu prüfen. Mit Blick auf die Jenaer kritischen Schriften kann gezeigt werden, dass Hegel die Substanzlehre als ein philosophisches Muster festlegt, demnach das infinitum actu Unendlichkeit und Endlichkeit synthetisieren soll. Dass Hegel im Ausgang von diesem Verhältnisbegriff an der Ausgestaltung seines eigenen Systems arbeitet, bestätigt sich in den Jenaer Systementwürfen. Besonders auffällig ist in diesem Zusammenhang die Rede von »Selbsterhaltung« im Metaphysik-Teil der Systementwürfe von 1804/05. Aus der Erläuterung dieses dem Conatus-Theorem entlehnten Begriffs geht hervor, dass die hegelschen Begriffe von Subjektivität und Geist im Rahmen der Jenaer Metaphysik wesentlich der spinozanischen scientia intuitiva und ihrer metaphysischen Grundlage verpflichtet sind.

