Beschreibung
Hölderlins Hymne Germanien entsteht in einer Zeit des politischen Umbruchs: Beflügelt durch den Frieden von Lunéville (1801) entwickelt der Dichter eine kühne geschichtsphilosophische Vision: Das politisch ‚wehrlose‘ Deutschland (‚Germanien‘) werde zwischen den europäischen Völkern vermitteln. Martin Heidegger rückt Hölderlins patriotischen Klassizismus in seiner Vorlesung über Germanien (1934/35) ins Zwielicht nationalistischer Ziele. Der Essay verfolgt demgegenüber einen dezidiert philologischen Ansatz: Hölderlins Dichtung wird umfassend in ihre literatur- und diskursgeschichtlichen Zusammenhänge eingeordnet. Germanien erscheint als ein Manifest politischer Ästhetik, das die Aufgabe des Dichters und der Dichtung in Krisenzeiten neu bestimmt.

