Beschreibung
Angesichts erstarkender Nationalismen und massiver Flüchtlingskrisen in Europa und weltweit ist das Thema dieser Monographie sowohl aus literaturwissenschaftlicher als auch aus gesellschaftlicher Perspektive von besonderer Aktualität. In der vorliegenden Untersuchung werden im Kontext der deutschsprachigen Literatur aus Südosteuropa Migrationsprozesse, transnationale kulturelle Wechselwirkungen sowie die Entstehung moderner europäischer Identitäten betrachtet. Die Werke von Herta Müller, Catalin Dorian Florescu, Saša Stanišić und Dimitré Dinev werden einer Neulektüre unterzogen, um osteuropäische Erfahrungen unter Einbeziehung postkolonialer und globaler Perspektiven zu erforschen. Svetlana Arnaudova zeigt auf, wie Mechanismen der ökonomischen, kulturellen und symbolischen Ausgrenzung und Marginalisierung aufgrund von »Andersartigkeit« auch im europäischen Kontext funktionieren. Ein wesentlicher Beitrag der Arbeit ist die Betrachtung der Literatur als Raum transnationaler Erinnerung, in dem sich Kleinnarrative und individuelle Biografien mit den großen Erzählungen des 20. und 21. Jahrhunderts verweben. Darüber hinaus wird die weiterhin bestehende Kluft zwischen Ost- und Westeuropa untersucht – sowohl in materieller Hinsicht als auch in Bezug auf mentale Grenzziehungen innerhalb Europas. Ein Hauptaugenmerk liegt auch auf den innovativen ästhetischen Strategien der vier Autoren.

