In ihrem Roman 36 Tage schildert Tanja Rudtke die Erlebnisse einer Deutschprofessorin bei der Vorbereitung der alljährlichen Zulassungsprüfungen für die südkoreanischen Universitäten. Packend begleitet die Leserin sie durch eine immer feindlicher anmutende Stimmung, bis ein unbekannter Erpresser den ganzen Ablauf in Gefahr bringt.
Im Interview beantwortet die Autorin einige Fragen, die sich uns beim Lesen gestellt haben:
Ein großer Teil des Buches ist der Beschreibung von Mahlzeiten gewidmet. Weshalb? Welchen Stellenwert hatte das Essen in Ihrer eigenen Zeit in Südkorea?
Gemeinsames Essen spielt im sozialen Leben in Südkorea eine wichtige Rolle. An der Universität ist es beispielsweise üblich mit den Kollegen am Anfang und am Ende des Semesters essen zu gehen. Für mich war es außerdem sehr spannend, die koreanische Küche kennenzulernen. Tatsächlich hat sich mein Geschmack im Laufe der Zeit dort entsprechend angepasst und verändert. Diese Erfahrung fließt in den Roman ein. Die täglichen drei gemeinsamen Mahlzeiten sind außerdem fester Bestandteil und gleichzeitig die einzige Abwechslung im Arbeitsablauf für die Protagonisten.
Südkoreas Schulsystem ist eines der strengsten der Welt. Welche Auswirkungen hatte das auf Sie, als Lehrer? Welche Auswirkungen hat das auf die Menschen allgemein? Sie schreiben von einem Professor, dessen Familie nach Wien gezogen ist, damit seine Tochter das studieren kann, was sie will.
Der Bildung und Ausbildung der Kinder wird in den Familien alles untergeordnet. Sie sollen möglichst an die besten Universitäten gehen und wer es sich leisten kann, schickt seine Kinder zum Studium ins Ausland. Aber auch der normale Schulalltag ist sehr fordernd und teuer, weil es üblich ist, dass Nachhilfeinstitute parallel zur Schule besucht werden, die bezahlt werden müssen. Meine persönliche Erfahrung: Als Professorin an einer Universität wird einem gesellschaftlich viel Wertschätzung entgegengebracht, die Studierenden begegnen einer ausländischen Lehrkraft zudem respektvoll und aufgeschlossen. Auch das spiegelt den Stellenwert von Bildung wider.
Gab es schonmal einen Erpressungsvorfall?
Es gab und gibt immer wieder Versuche, das Ergebnis der Suneung-Prüfung auf unlautere Weise zu beeinflussen, weil von ihr so viel für den weiteren Lebensweg des Einzelnen abhängt. Die Methoden reichen von Diebstahl, Korruption, Erpressung in Einzelfällen bis hin zu Betrugsmethoden in großem Stil, wie erst in letzter Zeit in den Medien zu lesen war. Der konkrete Handlungsverlauf in meinem Roman hat aber natürlich fiktiven Charakter.
Im Roman spielen Sprache und Literatur eine zentrale Rolle. Inwiefern?
Es geht nicht nur um Prüfungsfragen für das Fach Deutsch, sondern um die vielen Facetten von Sprache und Literatur. Zunächst das Aufeinandertreffen zweier sehr unterschiedlicher Kulturen, deren Diversität sich im Sprachverhalten manifestiert. Es geht auch um Literatur im Besonderen, so wird auf den „Zauberberg“ angespielt oder auf Kafkas „Verwandlung“, die auch im außereuropäischen literarischen Kontext große Beachtung gefunden hat.







