Beschreibung
Heinrich Heine (1797–1856) ist ein Dichter des kollektiven Unbewussten, das auch dann zwischen den Zeilen schwingt, wenn diese Klartext sprechen. Ästhetische Fallen, Um- und Irreleitungen überall, so z.B. auch beim Vorschützen von Nichtwissen, etwa im berühmten Loreley-Gedicht von 1824: »Ich weiß nicht was soll es bedeuten «. Daraus machte Friedrich Silcher jenen Ohrwurm, der als »sentimentaler Gassenhauer« die »Gemütsbesoffenheit « (Karl Kraus) der Deutschen sowohl her-, als auch bloßstellt. Mit einlullender Chromatik geht seine Melodie über den volksmythologischen Schiffbruch hinweg, indem sie den Untergang ebenso verharmlost wie die sirenenhafte Wirkung der »Loreley« im Ohr des Mannes. Schon damals zeigte Heine seine psychologische Raffinesse, indem er ein intimes Psychogramm der ›deutschen Seele‹ in allegorischer Verkleidung gab und Lieder schuf, die zugleich sangbar und symptomatisch waren. Dies, sein Programm und sein Leben als Freier Autor und Journalist führte ihn durch deutsches Irr- und Wirrsal ins französische Exil. An einen »Heinrich Heine, der den feineren und anspruchsvolleren Lyrikern von Paris lange schon in Fleisch und Blut übergegangen ist« (Nietzsche), sollten die Deutschen sich erst noch gewöhnen, so wie auch an den Sozialpsychologen, den ersten Feuilletonisten, den sachlichen Romantiker und sardonischen Spötter, an den dieser 10. Band der Reihe »Literatur verstehen« mit kommentierter Lyrik und Prosa in Gestalt der Erstdrucke erinnert.



