„Schweigen macht krank, Erzählen bedeutet […] Befreiung“

Interview mit Krystyna Kuhn zu ihrem neuen Roman „Julitage“ Entscheidet man sich für die Wahrheit, auch wenn mit der Wahrheit alles zerfällt? In diesem Konflikt findet sich Pauline Wyss in Krystyna Kuhns neuem Roman Julitage wieder, als sie den Nachlass ihrer verstorbenen Großmutter Jette sortiert. Denn Jette kann ihre berühmten Gedichte gar nicht selbst verfasst haben. Tatsächlich stammen sie…

Wenn Archäologen dichten

Lyrik ist zu allen Zeiten zum Ausdruck eines Lebens- und Weltgefühls geworden. Dabei gab es eine überraschende Gruppe von Lyrikern: klassische Archäologen. Auffallend häufig veröffentlichen Ausgräber, Bauforscher und Autoren kunst- und kulturhistorischer Arbeiten um 1900 ihre Verse. In ihren Schriften ist beeindruckende und nachwirkende, aber auch alltägliche Poesie zu finden. Manche von ihnen wandten sich…

Cover zu »Die Waffen nieder!/ Lay down your weapons!« (ISBN 9783826049101)

Zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann

Heute vor genau 100 Jahren wurde Ingeborg Bachmann (1926–1973) in Klagenfurt geboren – eine Autorin, die die deutschsprachige Literatur des 20. Jahrhunderts geprägt hat wie nur wenige andere. Ihr Werk ist bis heute von ungebrochener Aktualität: Bachmann schrieb über Machtstrukturen, Geschlechterrollen und die oft unsichtbaren Formen der Unterdrückung, denen Frauen ausgesetzt sind. Zugleich durchzieht ihre…

Rezension Lilith Ha: „Lyrische Intoxikation“

Das Buch „Lyrische Intoxikation“ entzieht sich mit einer eigentümlichen Konsequenz jeder eindeutigen Zuordnung und gewinnt gerade daraus seine eigentümliche Sogkraft. Was als Essay firmiert, ist in Wahrheit ein vielstimmiges Gebilde, das autobiografische Reflexion, literarische Analyse und erzählerische Verdichtung miteinander verschränkt. Im Zentrum steht eine Ich-Erzählerin, deren Begegnung mit der Lyrik Rudolf Borchardts nicht als bloß…

Interview mit Christoph Söller zu Der Gestank der Freiheit

Vom heute journal ins Jahr 1805: Der Historiker und freie Journalist Christoph Söller (geb. 1992) beherrscht die Kunst, Geschichte lebendig werden zu lassen. Er verknüpft in seinem Debütroman Der Gestank der Freiheit akribische Recherche mit packender Erzählkunst. Er führt uns in ein zerrissenes Europa, in dem der Soldat Thibaut unter Marschall Bernadotte für eine Freiheit kämpft, die…

Interview mit Alexander Eilers und Elisabeth Turvold

Alexander Eilers ist promovierter Literaturwissenschaftler, Herausgeber, Anthologist sowie Übersetzer. Er hat 15 Jahre als Dozent an der Justus-Liebig-Universität Gießen gearbeitet und ist nun Englisch- und Philosophielehrer. Sein Interesse gilt sowohl der neuzeitlichen Mentalitätsgeschichte als auch dem Aphorismus. Sein Werk wurde verschiedentlich ausgezeichnet, etwa beim Wettbewerb des Fördervereins des Deutschen Aphorismus-Archivs oder beim Premio Internazionale per…

Einsamkeiten

Einsamkeit – eine der Grunderfahrungen des Menschen, die sich in facettenreichen Ausprägungen in unseren Leben manifestiert. Schon seit der Antike setzen sich Autoren wie Vergil oder Seneca mit philosophischer Absicht mit dem Thema Einsamkeit auseinander. Im Laufe der Geschichte wird Einsamkeit als Medium der Selbstbesinnung, als religiöse Praktik oder als Mittel der Individualisierung postuliert. Auch…

Wenn Literatur das Fürchten lehrt

Die Auseinandersetzung mit Verbrechen hat in der Literatur eine lange Tradition. Schon bevor True Crime zum Trend wurde, spürten Schriftsteller der Frage nach: Was treibt einen Menschen dazu, ein Täter zu sein? Im Folgenden stellen wir Euch zwei Werke vor, die einige große Klassiker des deutschen Realismus mit Ihren echten Inspirationen in Verbindung stellen.  …

Die Unabhängigen

BRD, Anfang der 1980er Jahre: „Sie wollten es anders machen, anders als ihre Eltern – besser. Sie wollen eine Welt ohne Krieg, in Frieden leben. Die Selbstverwirklichung ihrer Eltern fand im Hobbykeller statt, oder im Garten. Sie hingegen werden kämpfen für saubere Natur, Seen und Wasser, für eine Welt ohne Atomkraftwerke. Rob würde an der…

Lesen wir heute anders?

Im Jahr 1996 veröffentlichte Ruth Klüger den Aufsatz Frauen lesen anders, der nun in dem Buch Lesen wir heute anders? Gespräche über eine These von Ruth Klüger kritisch beleuchtet wird. Dafür tauschten sich Studierende der FU Berlin mit sechs Autorinnen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur aus: Esther Dischereit, Ilma Rakusa, Anna Kim, Jenny Erpenbeck, Miku Sophie Kühmel…