Marina Krugs neu erschienener Gedichtband Kolibrisland entführt den Leser in die liminalen Gebiete der menschlichen Existenz. In fünf thematischen Blöcken entfaltet sich eine Lyrik, die zwischen Traum und Wirklichkeit oszilliert – voller absurder Szenarien, doppeldeutiger Bilder und existenzieller Erfahrungen. So behandelt der Abschnitt Durch die Zeit existentielle Erfahrungen, adoleszente Neugier und den Prozess des Dichtens selbst, während Positionen Themen wie Abschiednehmen, Verrat und das Ankommen in der Fremde bespricht. Die Gedichte unter Orte setzen Kindheitserinnerung in Beziehung mit fiktiven Reiseerlebnissen und ihren historischen Bezügen. Letztlich widmen sich die zwei Abschnitte Spielereien und Träume gänzlich der grenzenlosen Phantasie, wie sie in diesem Werk zuhause ist.
Die Sprache in Kolibrisland wirkt fantasievoll, bildstark und vielschichtig. Krug nutzt poetische Bilder, die oft surreal, traumhaft oder symbolisch anmuten. Solche Bildkompositionen zeigen das kreative Zusammenspiel von Bewusstem und Unbewusstem, wobei sowohl unmittelbare Gefühle als auch subtile metaphorische Bedeutungen vermittelt werden. Die Gedichte sprechen von Themen wie Heimat, Erinnerung, Fremde, Identität, Abschied und Neuanfang – eine Koexistenz oftmals binärer Oppositionen, die zwischen den Zeilen aufblühen kann.
Kolibrisland ist perfekt für alle Fans experimenteller Lyrik und Leser, die nach Abenteuer streben, um ihre Welt für einen Moment hinter sich zu lassen.
Als Leseprobe zeigen wir hier einen Ausschnitt aus Ihrem Gedicht Transit:
Zerbrich nicht Zwillingsherz
wo es mangelt an Chlorophyll
inmitten einander rußig
aufzehrender Städte. Schmale
Körper schmuggeln in deine
Aorta seit langem mit
Stillstand infiziertes Herz.
Dein Schlag wird künstlich
zuletzt keinen anderen Ort
finden. Dann wirst du
freigesprochen.
In Kristallen verliert alles
was einmal in dir leben
hieß Kontur.







