Christian Kelch

Dr. Hermann Arnold und seine »Zigeuner«

Zur Geschichte der »Grundlagenforschung« gegen Sinti und Roma in Deutschland unter Berücksichtigung der Genese des Antiziganismusbegriffs

herausgegeben von Liselotte Thoß

882 Seiten ISBN: 978-3-568-10006-1
Fachgebiet:
Autor*innen:Christian Kelch

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Beschreibung

Wie konnte sich antiziganistisches Wissen nach dem Ende des Nationalsozialismus in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft behaupten? Ausgehend von dieser Frage untersucht die vorliegende Studie die Geschichte der deutschsprachigen Forschung über Sinti und Roma und ihre Bedeutung für den bundesdeutschen Umgang mit der Minderheit. Im Zentrum steht der Mediziner Hermann Arnold (1912–2005), der über Jahrzehnte als maßgeblicher Experte galt und die wissenschaftliche, politische und sozialpädagogische Auseinandersetzung nachhaltig prägte. Auf der Grundlage umfangreicher Archivbestände und einer historischen Diskursanalyse rekonstruiert die Arbeit die Kontinuitäten rassenhygienischer Deutungsmuster nach 1945, ihre Transformation im Kontext der Bundesrepublik sowie ihre Infragestellung durch die Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma. Zugleich zeichnet sie die Entstehung und Durchsetzung des Begriffs »Antiziganismus« nach und verortet dessen Entwicklung im Spannungsfeld von Wissenschaft, Erinnerungspolitik und gesellschaftlicher Emanzipation. Die Untersuchung verbindet Wissenschafts-, Diskurs- und Begriffsgeschichte und eröffnet eine neue Perspektive auf die Geschichte antiziganistischer Wissensordnungen in Deutschland. Sie leistet damit einen grundlegenden Beitrag zur historischen Antiziganismusforschung und zur kritischen Reflexion wissenschaftlicher Deutungsmacht.

Zusätzliche Information

Maße15.5 × 23.5 cm (B × H)
Seiten882
ISBN978-3-568-10006-1   //   9783568100061
EinbandartKartoniert
SpracheDeutsch
VerlagKönigshausen & Neumann
Verlags-Code05/5108091

Autor*innen

Kelch, Christian

Christian Gerhard Kelch (1980–2020) studierte Neuere und Neueste Geschichte, Politikwissenschaft und Osteuropäische Geschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Sein wissenschaftliches Interesse galt der Geschichte des Nationalsozialismus, der Antisemitismus- und Antiziganismusforschung sowie der historisch-politischen Bildungsarbeit. Im Anschluss an seine Dissertation hatte er eine Post-Doc-Stelle an der Forschungsstelle Antiziganismus am Historischen Seminar der Universität Heidelberg inne. Seine Forschungen über „Kontinuitäten des Antiziganismus in Baden-Württemberg nach 1945“ musste er aufgrund einer schweren Krankheit unterbrechen, der er am 16. September 2020 erlag.

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