Beschreibung
Katastrophen und gesellschaftliche Umbruchsituationen gehören zu den konstitutiven Themenfeldern der deutschsprachigen Literatur. Dies manifestiert sich unter anderem in der literarischen Reflexion von Naturkatastrophen, etwa des Erdbebens von Lissabon im Jahr 1755, das in Heinrich von Kleists Erzählung Das Erdbeben in Chili paradigmatisch verarbeitet wird, ebenso wie in der Darstellung pandemischer Krisenerfahrungen oder in der Auseinandersetzung mit den Folgen politischer Zäsuren, beispielsweise des Falls der Berliner Mauer im Jahr 1989 sowie der Kriege des 20. Jahrhunderts, die im Zivilisationsbruch der Shoah ihren extremsten Ausdruck fanden. Der vorliegende Band richtet den Blick jedoch nicht ausschließlich auf kollektive und historische Transformationsprozesse, sondern bezieht ausdrücklich auch personale und subjektive Katastrophen- und Umbruchserfahrungen in die Analyse ein. Darüber hinaus eröffnet die Perspektive auf dystopische Entwürfe einen erweiterten literaturwissenschaftlichen Deutungsrahmen: Dystopien entwerfen antizipierte Krisenszenarien, in denen gesellschaftliche Desintegrationsprozesse, Zukunftsängste und Ordnungsverluste in verdichteter Form sichtbar werden. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Motiv des Zufalls zu, dessen semantische, narrative und epistemologische Funktionen einen zentralen Bezugspunkt der in diesem Band versammelten Beiträge bilden.
Autor*innen
Lintmeijer, Joan
Joan Lintmeijer, MA, geb. 1998, Studium der Germanistik an der Universität Utrecht und im Rahmen eines Erasmus-Stipendiums an der Universität Wien. Masterabschlüsse an der Universität Utrecht in den Bereichen Fachdidaktik Deutsch und Vergleichenden Literaturwissenschaft mit dem Schwerpunkt Neuere deutsche Literaturwissenschaft. Ihre Abschlussarbeit Zufall. Verschränkung, Verblendung. Zum Stellenwert des zufälligen Einzelereignisses und zur Dekonstruktion hermeneutisch-phänomenologischer Denk- und Wahrnehmungsweisen in Elfriede Jelineks Theatertext Lärm. Blindes Sehen. Blinde Sehen! wurde für den universitären Studienpreis für Masterarbeiten nominiert und auf der nationalen Studierendenkonferenz mit dem Förderpreis des „Verbandes der Germanisten an niederländischen Universitäten“ ausgezeichnet. Derzeit ist sie als Deutschlehrerin an einer Montessorischule in Utrecht tätig. Forschungsschwerpunkte und Interessengebiete: Interdisziplinäre Zugänge zur Literaturwissenschaft, Intertextualität, Dekonstruktion, postdramatisches Theater und Zufall.
Mariacher, Barbara
Barbara Mariacher (*1965): Dr. phil., Studium der Germanistik und Geschichte in Innsbruck, Heidelberg und Wien; Auslandslektorin an Universitäten in Bratislava (Slowakei), Pécs und Budapest (Ungarn), 1997 Promotion an der Universität Wien über die späte Prosa Bernhards.
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