Marie L Ehrhardt

Christa Wolfs Medea - eine Gestalt auf der Zeitengrenze

Erscheinungsdatum: 01.01.2000, 56 Seiten ISBN: 978-3-8260-1921-0
Fachgebiet:
Autor*innen:Marie L Ehrhardt

12,50  inkl. MwSt.

Enthält 7% red. MwSt.
Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands, für das Ausland gelten gewichtsabhängige Versandkosten.

Beschreibung

Christa Wolfs Roman “Medea. Stimmen” ist als Ost-West-Konflikt nur unzureichend gedeutet worden. Wolf stellt vielmehr den Widerspruch dar, dem sich das moralische Ich in der gegenwärtigen Gesellschaft ausgesetzt sieht. Dafür entwickelt sie ihre Hauptfigur aus den Vorstellungen des frühen Mythos. Anders als bei Euripides bricht hier eine selbstbewußte, von der herrschenden Staatsmoral enttäuschte Frau aus Kolchis auf, die keinen Mord zu verantworten hat, die jedoch am Ende, ihrer Kinder beraubt, die Antwort auf die Frage nach dem Ort für die moralische Existenz sucht. Eine genaue Untersuchung der Kompositionsmittel läßt das kunstvolle Gefüge der “Stimmen” sichtbar werden und führt mit der Fokussierung auf die Hauptgestalt zu deren Interpretation als Trägerin der utopischen Intention des Romans. Was mit “Nachdenken über Christa T.” begann und sich über “Kein Ort. Nirgends” und “Kassandra” fortsetzte, erfährt hier eine eindrucksvolle neue Gestaltung. Für die Protagonistinnen der früheren Romane ging es um die Selbstwerdung in einer Gesellschaft, die die Bedingungen für eine selbstbestimmte Existenz erschwert oder verwehrt. Medea dagegen ist in dieser Entwicklung die erste Überlebende, als ideale Gestalt konzipiert, Inbegriff des Humanen. Gegenwärtige (Korinth) und vergangene (Kolchis) Gesellschaft entlarven sich als unfrei, politisch und moralisch korrumpiert. Die bloße Schilderung dieser Defizite ohne die kontrastierende Gestalt Medea hätte in keiner Weise die Prägnanz dieses Ergebnisses erreichen können. Die Methode der “utopischen Intention” entfaltet dabei ihr gesellschaftskritisches Potential nicht durch direkte Beurteilung der negativen Befunde, sondern indirekt durch einen Kontrast zu Medea als Repräsentantin der Gesellschaft, “wie sie sein sollte”. Die Autorin Marie-Luise Ehrhardt ist Professorin für Neuere deutsche Literatur und ihre Didaktik an der Universität Hannover. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind: Literatur von Frauen in der Gegenwart, Mythen-Tradition in der Literatur, deutsche Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts, Volksüberlieferung.

Autor*innen

Ehrhardt, Marie L

Zusätzliche Information

Gewicht0,139 kg
Größe15.5 × 23.5 cm (B × H)
Seiten56
Erscheinungsdatum01.01.2000
ISBN978-3-8260-1921-0   //   9783826019210
ISBN 13978-3-82-601921-0
ISBN 10978-3-82601-921-0
EinbandartKartoniert
SpracheDeutsch
VerlagKönigshausen & Neumann
Verlags-Code05/5108091