Beschreibung
Im Zentrum dieses Bandes stehen künstlerische Modellierungen pädagogischer Interaktionsformen in literarischen und filmischen Werken. Von besonderem Interesse sind hierbei Bildung und Erziehung als subjektstrukturierende Gestaltungsordnungen. Dabei werden die Evolution und Ausdifferenzierung pädagogischer Formierungen ebenso reflektiert wie die Räume, Institutionen und (Macht-)Dispositive, in denen bzw. mit denen Erziehungs- und Bildungsentwürfe und -modelle im Modus sozialer Praxis realisiert werden. Die hier versammelten Einzelstudien untersuchen somit vor dem Hintergrund eines historischen Querschnitts durch die Geschichte der Institutions-, Erziehungs- und Bildungskonzepte vom Hochmittelalter bis zur Gegenwart unterschiedliche Facetten, die für künstlerische Projekte und Projektionen des Topos einer institutionalisierten Pädagogik relevant waren und sind.
INHALT: C. Hamann: Einleitung – S. Plotke: Gebildete Helden. Erziehungskonzepte in mittelalterlichen Narrativen – I. Breuer: Schule und Literatur im Barock – M. Hofmann: Die Selbstkastration des Erziehers. Begehren, Gesellschaft und Pädagogik in Lenz’ ,Hofmeister’ – S. Düwell: Bildung und Philantropismus (mit einem Abschnitt zu Rousseau) – H. Bosse: Nach außen und von innen. Selbstbildung in Goethes ,Wilhelm Meister-Roman’ – T. Lachmann: Revolutionär-Werden. Jean Pauls Pädagogik – M. Roussel: Schleiermachers Bildungstheorie und die „Entscheidungsabhängigkeit künftiger Zustände“ – M. Scheffel: „Erziehung und Schule […] sind doch auch wieder zweierlei“. Positionen der Pädagogik bei Theodor Fontane – K. Schuchmann: Bildung und Institution um 1900 – F. Smerilli: Wider eine Schule ohne Autorität. Von der Bildung der Sprache in Robert Musils ,Die Verwirrungen des Zöglings Törleß’ – P. Ellenbruch: Schule im Kino, Kino als Schule – Aspekte der Schuldarstellung innerhalb des deutschen Films – M. Genç: Amok/school shootings. Kulturelle und mediale Codierungen von Gewaltexzessivität an Schulen – G. v. Glasenapp: ‚Non vitae, sed scholae discimus’. Schuldarstellungen in der Kinder- und Jugendliteratur – A. Mielke: Bildungskonzepte in der Gegenwartsliteratur: Zu Judith Schalanskys ,Der Hals der Giraffe’ – A. Lemke: Institution und Bildung bei Schiller, Robert Walser und Jenny Erpenbeck – C. Liebrand: ,Wofür es sich zu leben lohnt. Jake Kasdans ‚Schulfilm‘ ,The Bad Teacher’ – A. Weinstock: Das Leben in Form halten. Zu Paul Ingendaays ,Warum du mich verlassen hast’ und Christoph Peters ,Wir in Kahlenbeck’
Die Herausgeber: Dr. Metin Genç ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für deutsche Sprache und Literatur I an der Universität zu Köln. Seine Arbeitsgebiete sind Ästhetik der Zeit, Kulturtheorie, Literatur und Wissen(schaft). Dr. Christof Hamann ist Professor am Institut für deutsche Sprache und Literatur I an der Universität zu Köln. Seine Arbeitsgebiete sind die deutschsprachige Literatur vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, postkoloniale Literaturtheorie, Geschichte des Kriminalromans sowie das Verhältnis von Literaturtheorie und -didaktik.