Beschreibung
Während die Meisten an der Ereignisgeschichte hängen bleiben, man vorherrschend auf ‚Abrechnungsliteratur‘ stößt, wird in der Studie ein gänzlich anderer Blick auf „1968“ eröffnet. Gegen die derzeitige, scheinbare Entkoppelung von qualitativer Theorie und politischer Bewegung erscheinen dabei zwei weiterhin aktuelle Fragen zentral: Wie verhalten sich Demokratie und Wissenschaft zueinander? Wie ist das Verhältnis von Theorie und Praxis zu begreifen?
Um den beiden Fragen nachzugehen, wird die Auseinandersetzung über weite Strecken an den Publikationen T. W. Adornos geführt, seiner Lehrtätigkeit und Zeitgenossenschaft während der Studenten- bzw. Protestbewegung. Philosophie nicht auf eine Einzelwissenschaft innerhalb der arbeitsteiligen Disziplinen zu reduzieren, war eine von Adornos expliziten Forderungen. Ja, sein eigener Anspruch war, Theorie im emphatischen Sinne zu formulieren.
Indem hier mit und gegen ihn am Unterschied zwischen Theorie und Praxis festgehalten wird, befragt die Studie sein Werk, ob Adorno sowohl theorie- als auch realitätsadäquat halten kann, was er verspricht, folgt ihm dabei bis in die selektive Aufnahme von Philosophiegeschichte. Ersetzt nicht Adorno Erkenntnistheorie durch Kunst? lautet eine der Thesen des Buches.
Zugleich werden kritische Bezüge zur Arbeiter- und Jugendbewegung thematisch, emanzipative Gruppierungen in transnationaler Perspektive rekonstruiert, die unmittelbar an das Demokratieproblem anknüpfen, also Politikmodelle des Zentralismus verwerfen. Dazu wird auch auf ältere Aufsätze zurückgegriffen.
Es geht somit um die Rekonstruktion eines kritischen Selbstverständnisses über soziale Bewegungen als politisch-soziales Theorieprojekt und deren Folgen.


