Beschreibung
In dieser Studie wird Alfred Döblins erster großer Roman Die drei Sprünge des Wang-lun (1915) aus neuen Perspektiven analysiert. Ausgehend von der historisch belegten Rebellion des Wang Lun im China des Jahres 1774 macht Döblin den Roman zu einem Experimentierfeld seiner poetischen Gestaltung. Untersucht wird das Werk vor dem Hintergrund seiner kritischen Nietzsche-Rezeption, seiner psychiatrischen Forschungen – insbesondere zur Amnesie – sowie seiner musikphilosophischen Schriften. Die Verknüpfung dieser Einflüsse führt zu einer experimentellen Poetik, die maßgeblich von taoistischem Denken, insbesondere dem Prinzip des ›Wu-wei‹ (Nicht-Handeln), geprägt ist.
Darüber hinaus erschließt die Studie die bislang wenig beachteten Zusammenhänge zwischen Döblins psychiatrischer Dissertation, seinen musikphilosophischen Schriften und seiner Rezeption taoistischer Philosophie, und unterzieht die erzähltechnische Umsetzung taoistischer Konzepte einer neuen literaturwissenschaftlichen Bewertung. Die interdisziplinäre Herangehensweise eröffnet einen neuen Blick auf Döblins Werk im Spannungsfeld zwischen westlicher Moderne und fernöstlicher Philosophie und arbeitet seinen Beitrag zu einer interkulturellen literarischen Moderne sowie zu einer experimentellen Formästhetik systematisch heraus.

