Beschreibung
Die Graphologie – die Lehre von der Deutung des Charakters und der Persönlichkeit aus der Handschrift – war jahrzehntelang eine weit verbreitete und zugleich umstrittene Wissensform. Die vorliegende Studie rekonstruiert aus kultur- und wissensgeschichtlicher Perspektive ihre Geschichte und geht der Frage nach, warum die Graphologie zeitweise von der Scientific Community akzeptiert wurde und weshalb sie dennoch heute als Pseudowissenschaft angesehen wird.
Untersucht werden in den insgesamt fünf Kapiteln zunächst der Übergang von physiognomischen Handschriftenpraktiken zur modernen Graphologie sowie die Grundlegung der Graphologie in der doppelten Logik der Handschrift als Körper- und Ausdrucksspur; dann wird auf ihre Verflechtungen mit Psychologie und Physiognomik sowie auf die von Brüchen geprägte Entwicklung zentraler theoretischer und methodischer Ansätze eingegangen. Nicht zuletzt wird in diesem Zusammenhang die prägende Rolle von Ludwig Klages betont. Analysiert werden außerdem die zeitweilige Integration der Graphologie in das Psychologiestudium und die Weise, in der die Graphologie zeitgenössische Wissensordnungen und wissenschaftliche Diskurse aufnahm. Die Studie macht sichtbar, wie sich am Beispiel der Graphologie grundlegende Prozesse moderner Wissens- und Wissenschaftskulturen nachvollziehen lassen.

