Beschreibung
In jüngster Zeit haben Sprachfragen Hochkonjunktur. Der Streit ums ›Gendern‹ oder der Kampf gegen Anglizismen und das ›Denglisch‹ provozieren zuverlässig kulturkämpferische oder identitätspolitische Debatten, an denen sich die Geister und Stilgemeinschaften scheiden. Vor diesem aktuellen Hintergrund unternimmt die Studie den Versuch, die Geschichte der europäischen Sprachpolitik seit der Antike am Leitfaden des Sprachpurismus – d. h. der Forderung nach einer reinen, idiomatischen Ausdrucksweise – nachzuzeichnen. Seit dem 16. und 17. Jahrhundert prägte der Sprachpurismus, ausgehend von Italien und Frankreich, nicht nur die europäischen Sprachdebatten, sondern auch die Entwicklung der volkssprachlichen Literaturen. Die Studie zeichnet solche Wechselwirkungen zwischen Literatur- und Sprachgeschichte erstmals von der Antike über das Mittelalter und die Frühe Neuzeit bis in die Gegenwart nach. Sie erinnert damit an die historischen Voraussetzungen aktueller Sprachkämpfe, aber auch an die zentrale Rolle der Literatur für Sprachgeschichte und Sprachevolution.



