Beschreibung
Die Geschichte der phänomenologischen Bewegung stellt sich in ihren tiefen Dimensionen als eine Gigantomachie um die Ursprünglichkeit dar. Dieser fortwährende Streit spielt sich jedoch vor dem theoretischen Hintergrund ab, aus dem die phänomenologische Fragestellung zwar ihre Richtung erhält, der sich aber in seiner operativen Wirkung unthematisch verhüllt. Damit dieser Gigantomachie im postmetaphysischen Zeitalter – das das Ursprungsdenken mit Verdacht, ja mit Feindseligkeit behandelt – ihre Legitimität zurückgegeben und sie von dem Vorwurf der Willkürlichkeit befreit werden kann, ist es notwendig, den phänomenologischen Ursprungsbegriff zu »entoperativieren «. Es gilt, den Ursprung von anderen, häufig mit ihm vermischten »Figuren des Ersten« abzugrenzen und ihm im Nachhinein einen systematischen Ort in der Architektonik der phänomenologischen Reflexion zuzuweisen. Dieser Band leistet einen Beitrag zu der Frage, ob und inwiefern die Phänomenologie in ihrer transzendentalen Form, angesichts der von Epoché und Reduktion geforderten Radikalität, der Frage nach dem Ursprung des Erscheinens gerecht werden kann. Im systematischen Zusammendenken von Phänomenalisierung und Ursprung (oder Ur-sprung) zeigt sich die Notwendigkeit, die transzendentale Phänomenologie als transzendentale Phänomenogonie zu verstehen, ohne dabei auf ein klassisch-metaphysisches – etwa lineares oder teleologisches – Ursprungsdenken zurückzugreifen.

