Beschreibung
Jacques-Louis David gilt als Vater der modernen Malerei in Frankreich, ja als revolutionärer Erneuerer der Künste im Land der Großen Revolution. Mit solchen und ähnlichen hymnischen Bezeichnungen pries ihn unlängst eine große Ausstellung, die zu seinen Ehren und anlässlich seines 200. Todestages Ende Dezember 2025 im Louvre stattfand. In der Tat verdichten sich im vielschichtigen Werk Davids viele ästhetische und politische Strömungen, welche die Zeit zwischen dem Spätabsolutismus des 18. Jahrhunderts und dem Sturz Napoleon Bonapartes nach dessen Niederlage bei Waterloo prägten. In Jacques-Louis Davids Malerei spiegelt sich diese Vielschichtigkeit und manche Widersprüchlichkeit einer Zeit von gut drei Jahrzehnten, welche fünf verschiedene politische Regime hervorbrachte – David diente jedem dieser Regime und bediente deren jeweiliges Repräsentationsbedürfnis, um dem Volk zu suggerieren, dass sich in dieser Politik gerade dieses Regimes – und nur in ihm – das Genie der Freiheit verkörpere.
Davids Malerei ist indes mehr als nur Spiegel dieser Zeit – denn ein Bild wie ›Der Tod des Marat‹, das manchen als jakobinische Pietà gilt, aber auch ›Der Horatierschwur‹ oder ›Napoleon am Großen St. Bernard‹ prägen bis heute die Wahrnehmung dieser Epoche. Die scheinbar makellose Ästhetik der Bilder Jacques-Louis Davids nimmt die virtuellen Scheinwelten vorweg, in die sich Betrachter:innen seiner Bilder bis heute gerne flüchten, wenn die Vielschichtigkeit und Vieldeutigkeit der Welt sie verstört.


