Beschreibung
Die Studie entwickelt eine topologische Theorie der Orientierung zwischen Literaturwissenschaft, Philosophie und Zeichentheorie. Ausgangspunkt ist Kants Bestimmung von Orientierung in der Moderne als Positionsbildung ohne objektive Letztgarantie. Der Ansatz wird in der These fortgeführt, dass Orientierung kein vorsprachliches Vermögen des Subjekts bezeichnet, sondern eine genuin sprachliche Operation im Differenzfeld der Sprache selbst. Sprache erst erzeugt die Koordinaten, in denen Denken, Dichtung und Subjektivität möglich werden. Sich in der Sprache zu orientieren, heißt mithin, in der Immanenz von Signifikantenrelationen Positionen zu generieren – ohne äußeren Bedeutungsgrund. Daraus ergibt sich auch eine geschichtsphilosophische Perspektive auf den Orientierungsbegriff: Koordinaten des Denkens sind nicht überzeitlich gegeben, sondern historisch erzeugt und verschoben. In Lektüren von Kant, Hegel, Celan, Benjamin, Lacan und Deleuze verbindet das Buch textnahe Analyse mit formaler Modellbildung zu einem Verfahren operativer Positionsbestimmung innerhalb des Symbolischen.

