Beschreibung
Während die Naturwissenschaften Erfolge feiern, gerät der Sinn des Lebens und des Menschen zunehmend ins Dunkel, und die Wirklichkeit wird unsicher. Die Aufklärung entmachtete die Metaphysik, das Objektivitätstheorem der Wissenschaften dekonstruierte das Subjekt. Die Vorstellung einer Seele oder eines geistigen Wesens fiel dem Reduktionismus zum Opfer. Vor allem aber ist der erkenntnistheoretische Schaden erheblich.
Der Philosoph Edmund Husserl eröffnet mit der Epoché eine neue Spur: Ein absichtsloses, nicht wertendes Schauen soll durch eine erweiterte Vernunft möglich werden – durch einen transzendentalen Blick auf das Subjekt und die Welt. »Transzendental« meint hier den Blick auf das Subjekt, wie es erkennt, nicht auf die Inhalte der Erkenntnis.
Husserl gelangt zu dem Schluss, dass der Urboden der Erkenntnis in apodiktischen Setzungen liegt und dass die Aufgabe des Menschen darin besteht, sich selbst zu werden – die Entwicklung der Persönlichkeit zur Autonomie. Erst im Bewusstwerden dieses Grundes werden wir zu Personen im eigentlichen Sinn: zu Subjekten, die zu sich kommen und frei sowie selbstbestimmt leben können. Von hier aus eröffnet sich die Perspektive einer transrationalen, also spirituell erweiterten Wissenschaft.


