Beschreibung
Obwohl der Begriff der Kultur für die Geisteswissenschaften unerlässlich zu sein scheint, ist er theoretisch oft unbestimmt geblieben und changiert zwischen Konzeptionen von Kultur als Artefakt oder Institution, als Komplex von Werten oder als Zeichensystem. Christopher J. Rudoll entwirft in diesem Essay eine Anatomie kultureller Operationen und zeigt, dass Bestimmungen von Kultur, die deren Verankerung in autointerpretativen Handlungszusammenhängen und ihre Tendenz zur Reifikation von Prozessen ausblenden, notwendig zu kurz greifen. Das resultierende Konzept bezieht wichtige Theorietraditionen von Cassirer über Castoriadis bis Giddens aufeinander und macht Phänomene wie Aition, Kitsch oder Ware besser verständlich. In einem zweiten Teil greift der Essay drei konkrete historische Zusammenhänge auf. An den Momenten der Entstehung der Literatur in der Antike, der Konstitution des revolutionären Subjektes in der Französischen Revolution und im britischen Chartismus und der Jazz- und Cocktail- Kultur des 20. Jahrhunderts wird gezeigt, wie Kultur in Operationen konstituiert wird – oder: wie man Kultur macht.


