Beschreibung
Das Œuvre von Dieter Kühn (1935–2015) weist eine faszinierende Vielfalt von Gattungen und Werken auf, die ein breites Spektrum von literarischen Themen und literaturwissenschaftlichen Fragestellungen eröffnen. Mit der Bearbeitung von historischen Stoffen verbinden sich bei Kühn Strategien der literarischen Reflexion, Experimente mit Alternativgeschichte, metafiktionale Spiele und die Hinterfragung der traditionellen Autorenrolle.
Kühns literarische Figurenwelt reicht vom Mittelalter über die Goethezeit bis hin zur Gegenwart, seine historischen Spielfelder führen von Europa über Afrika und Amerika in den Fernen und Nahen Osten, nicht ohne immer auch in der Gegenwart bzw. im europäischen Erfahrungsraum verankert zu sein. Die (semi-)literarischen Entwürfe changieren zwischen geschichtskritischem Moralismus und politischem Engagement, sei es als Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit oder als postkolonialistischer bis zivilisationskritischer Weitblick.
Elf Jahre nach Kühns Tod und eingedenk der stagnierenden Auseinandersetzung mit seinem Werk verweisen die Beiträge des Bandes auf die ästhetischen, strukturellen und inhaltlichen Innovationen des Autors, die noch bei Weitem nicht durch Analysen ausgeschöpft sind. Eine Besonderheit des Bandes ist die Veröffentlichung des letzten großen, Fragment gebliebenen Projekts von Kühn über Dantes Commedia als Fortsetzung seiner damals gefeierten Übersetzungen und Biografien mittelalterlicher Dichter und als Demonstration eines poeta doctus auf einem qualitativ neuen Höhepunkt.

