Beschreibung
Die Migrationsbewegungen, die mit dem Anwerbeabkommen zwischen der BRD und der Türkei im Jahr 1961 einsetzten und sich durch die Zuwanderung politischer Flüchtlinge fortsetzten, hatten neben ökonomischen auch kulturelle Folgen. Sie führten zur Entstehung eines literarischen Feldes, in dem insbesondere das Thema des Ortes eine zentrale Bedeutung einnimmt. Vor diesem literatur- und migrationsgeschichtlichen Hintergrund widmet sich die generationenübergreifende Untersuchung ausgewählten deutsch- und türkischsprachigen Gedichten von Mevlüt Asar (*1951), Habib Bektaş (*1951), Hasan Dewran (*1958) und Safiye Can (*1977) und zeigt unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema. Auf Grundlage des interkulturellen Ansatzes von Andrea Leskovec (2011) sowie des Raummodells von Jurij M. Lotman (1970) wird das zweisprachige Textkorpus, das durch Übersetzungen der türkischen Gedichte ergänzt wird, auch im Hinblick auf literarische Konstruktionen kultureller Zugehörigkeit sowie auf literarische Traditionen der türkischen Literatur betrachtet. Der Kontrast zwischen den Textversionen sowie die biografischen Hintergründe der Autorinnen und Autoren stehen ebenfalls im Fokus, während die Aspekte in ihrem wechselseitigen Zusammenhang untersucht werden.

