Beschreibung
Der Band verbindet Arnold Gehlens Verständnis der ‚Kultur‘ als eines Systems aus ‚Institutionen‘ der Religion, Pädagogik, Technik, Politik, des Standes oder des Rechts mit subjektiven Wahrnehmungsmustern – Sinn-, Empfindungs- und Phantasieentwürfen. Geäußert sind sie in expliziter Rede, aber auch in Symbolen, Allegorien, Zeichen oder Ritualen. Damit verknüpft ist die Antwort der von solchen Mustern geprägten Literatur auf die bei Gehlen offene Frage nach der Stabilität und Verlässlichkeit der Institutionen. Urteilt Literatur doch seit jeher über die sie umgebenden Kulturinstitutionen. Dabei korrigieren die subjektiven, in den Literaturwerken thematisierten Wahrnehmungsmuster zugleich das akademische, ‚objektive‘ Geschichtswissen – wie der Band am Beispiel deutscher Kulturgeschichte vom späten 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart zeigt: etwa von der in J.M.R. Lenz‘ Hofmeister tragikomisch empfundenen Fatalität spätaufklärerischer Pädagogik oder den Szenen standesbürgerlicher Tristesse in Hebbels Maria Magdalena sowie Hauptmanns Vor Sonnenaufgang im Vorfeld der Moderne sowie über die von Goethes Wahlverwandtschaften, Fontanes Effi Briest und Dieter Wellershoffs Liebeswunsch als zunehmend entwertet erlebte Institution des Eherechts und weiter über die jüdische, subjektiv erfahrene Assimilation um 1900 bei Wassermann und Kafka bis hin zu den in den Romanen von Ransmayr: Die letzte Welt , Süskind: Das Parfum und Kehlmann: Die Vermessung der Welt versuchten Antworten auf die technikbegründeten, bewusstseinsstürzenden Zeit- und Raum-Erfahrungen der Gegenwart.

