Beschreibung
Die Pläne zu einem letzten großen Buch, genannt „Papierdrache“, ein aus Schriftfetzen zusammengeleimtes Sammelsurium, durchziehen Jean Pauls spätes Schaffen als dessen Leitmotiv. Dieses Buch ist jedoch nie erschienen. Deshalb wurde in der Forschung nicht weiter darauf geachtet. Der Jean-Paul-Kenner Helmut Pfotenhauer vertieft sich in dieser kleinen Studie erstmals ernsthaft in die zum „Papierdrachen“ überlieferten Texte und schlägt für sie eine Lesart vor, die ihren ästhetischen Eigensinn aufnimmt und ihm auch gerecht zu werden versucht. Die Gedankensplitter, die jenes letzte Buch auf immer neue Art imaginieren, nur von der Leerstelle her zu sehen, auf die sie zeigen, verfehle sie; sie selbst seien vielmehr die eigentliche Essenz dieses Projektes, das ebenso sehr ins Unendliche wie zugleich nur auf sich selbst verweist. Auf typisch jeanpaulische Weise bezeugen sie so eine Poetik – und Poesie – des Bruchstückhaften, Unfertigen, Unabschließbaren, die in der heutigen Literaturwissenschaft als Charakteristikum großer Spätwerke diskutiert wird.

