Beschreibung
Kunst als Gottesoffenbarung? Nach Schelling und der Philosophie seiner Würzburger Jahre: Ja. Weit mehr als Spiel und Schein, gelängen Kunstwerken im Idealfall ästhetische Epiphanien, Manifestationen des Absoluten im Medium artifiziell bearbeiteter Sinnlichkeit. Im Bemühen der „bildenden“ Künste, Übersinnliches in, mit und unter sinnlichen Formen zu vergegenwärtigen, erkennt Schelling den Nisus des Unendlichen, sich dem Endlichen einzuprägen. Musik vermag so zu Gehör zu bringen, was die Sphäre des Begrenzten transzendiert, in der Malerei kann das universale Sinnganze zur Anschauung gelangen und in der Plastik das Göttliche in inkarnierter Gestalt vor Augen treten. Dieser Imagination des Absoluten ins Endliche hinein entspreche komplementär die Einbildung des Endlichen ins Unendliche als Vermögen der „redenden“ Künste: Lyrik, Epos, Drama. Kunst, so die Generalthese des Schelling-Kenners Gunther Wenz, wird hier zum Vorschein der absoluten Versöhnung von Endlichem und Unendlichem – oder theologisch, zum Versprechen, „dass Gott sei alles in allem“ (1. Kor 15,28).

